Feiern, fliegen und die liebe Familie!

Mittwoch, 04.05.2022 Reisen

Ein paar Stunden bevor ich Lukas unter Tränen am Flughafen verabschieden musste, kam zu meiner Freude meine Familie und wir fanden die Zeit für einen gemeinsamen Besuch in einer Pizzeria. Es war so schön für ein paar Stunden so viele bekannte Gesichter zu sehen... Später feierten wir noch im Club in Leas 19ten Geburtstag rein und das war mit meinem Bruder, den Freiwilligen und ghanaischen Bekannten richtig gut. 

Eine Nacht später ging's dann schon auf lange Reise nach Takoradi. Ich hatte echt ein schlechtes Gewissen, denn das bedeutete für die Neuankömmlinge eine Fahrt von sechs Stunden über schlechte Straßen, halb eingequetscht in einem Trotro. Der Fahrer machte keine einzige Pause und irgendwie waren alle sehr erledigt. Ansonsten war die Zeit in Takoradi schön. Wir besuchten meine Arbeitsstelle, was für viel Aufregung bei den Schülerinnen sorgte. Ich nahm meine Familie mit auf den Markt, meine Mutter bekam ein Kleid geschneidert und die Schülerinnen dekorierten und vernaschten ein Lebkuchenhaus, dessen Bestandteile meine Mutter mitgebracht hatte. Eine schöne Begegnung war auch der Besuch bei Adiza, Liam und Kojo. Kojo ist mein bester Freund und wir durften mit ihm, sowie seiner wundervollen Freundin samt zweijährigen Sohn kochen, musizieren und quatschen. 

Nach einer kurzen und erlebnisreichen Zeit in Takoradi begannen in Ghana die Osterferien und in diesem Zeitraum wollten wir erstmalig die Freiwilligen Judith und Lea in Mpraeso (Eastern Region) besuchen. Einen Zwischenstopp legten wir noch im Kakum-Nationalpark ein und übernachteten im Regenwald in einem Baumhaus. Das war super, auch wenn ich kaum schlief, weil mich alles so fasziniert hat und ich unbedingt einen Leoparden hören wollte... wer kann da schon gut schlafen?

Außerdem regnete es an diesem Abend im Wald und es war einfach cool von der überdachten Terrasse des Baumhauses den Blitzen und dem strömendem Regen zuzuschauen. Am Morgen standen wir super früh auf und entdeckten im Dunkel funkelnde Tieraugen zwischen den Bäumen. Leider ist mir das Fachwort für die Tierart nicht mehr im Kopf… Wir liefen in der Dunkelheit und nur mit den Geräuschen des Waldes und kamen zu einem Baumwipfelpfad, von dem wir einen wunderschönen Sonnenaufgang und einige Vögel beobachteten. Über die ganze Zeit begleitete uns Samuel, ein freundlicher Tourguide, der uns neben Vögeln und dem Baumhaus auch viel zu den Bäumen und Pflanzen des Regenwaldes erklärte. So liefen wir vorbei am Edelholz und an den Mahagoni-Bäumen, an Bambus und vielen weiteren für die meisten weniger bekannten Baumarten. Ich liebe den Regenwald, mit all den Pflanzen, die so viele Heilkräfte haben und wie alles innerhalb des Waldes zusammen spielt, ist einfach faszinierend. Mir fällt dann oft auf, wie wenig ich über die deutschen Pflanzen und Wälder weiß. Bestimmt gibt's da ebenso viel zu entdecken, ich hab mich nur noch nie auf den Weg gemacht... 

Nun ja, nach unserem Regenwald-Abenteuer machten wir uns auf lange Reise in den Osten Ghanas... und kamen mitten in einem der größten Festivals des Landes an. In Kwahu wird jedes Jahr ganz groß Ostern gefeiert. Die Menschen kommen aus dem In - und Ausland. Gefühlt ist alles teuer, laut und ausgebucht. Einer der Hauptgründe für uns war daher mehr die Landschaft und das Zuhause von Lea und Judith kennenzulernen. Es war super und eins der coolsten Dinge war das Paragliding. Ja richtig, man kann da Tandem-Paragliding und ich durfte beim Fliegen lenken und kleine Tricks machen. Was soll ich sagen, es war so aufregend und ich wär beim Start auch fast an 'nem Bäumchen hängen geblieben, aber es war gigantisch. Gerne wieder. Ich liebe es. 

Nach aufregenden Tagen in Höhlen, mit tollen Ausblicken und fliiiegen waren wir bereit für eine neue Region Ghanas. Mittlerweile hatte sich meine Familie auch an vieles gewöhnt. Darum wurde alles angenehmer. Besonders empfehlen kann ich die Botifalls und das Gebiet darum sowie den Botanischen Garten von Aburi, das wir auf der Reise zur Voltaregion besuchten. 

Angekommen in der Voltaregion (für mich die schönste, weil natürlichste und ländlichste) Region des Landes sind der Voltasee und Tafi Atome zu empfehlen. Das eine ist einfach der schöne See und das andere ist ein Ort, wo eine endemische Affenart haust, die sich gerne mit Bananen locken lässt. Macht Spaß und gibt schöne Fotos...:) 

Fährt man näher an die Grenze Togos, dann sind Wli Waterfalls ein, wenn auch anstrengendes, Abenteuer wert. Es ist schwül, super heiß, kaum ausgebaute Weg, teilweise halb kletternd und geht ca. vier Stunden bergauf und bergab. Dafür geht es beim oberen des Doppelwasserfalls vorbei, wo man im Wasserfall duschen kann. Die Wli Waterfalls sind laut unserem Tourguide die höchsten Westafrikas.

Komplett triefend verschwitzt anzukommen und dann ins erstaunlich kühle Nass zu springen ist unvergesslich. Am Tag danach bestiegen wir den angeblich höchsten Berg Ghanas den "Afadjato". Der Aufstieg war ähnlich anstrengend, aber zum Glück nicht so lang wie am Tag zu vor und der Blick war auch super, wobei die Fotos echt viel toller sind als man sich bei der Hitze fühlt...

Danach wanderten wir wieder runter und gingen einen paradiesischen Weg durch ein Tal vorbei an Kakao- und allerlei anderen Pflanzen zu einem Wasserfall, der meiner Meinung nach schöner ist als die Wliwaterfalls. Auch hier ist man wieder mit einem Tourguide unterwegs und dieser zeigt den Weg. Wer dahin möchte, fragt einfach zu Beginn nach dem Berg “Afadjato und Waterfall”.

Wenn man eine gute Unterkunft sucht, empfehl ich stark das "Waterfall Inn", da dort von einem Ghanaer alles sehr gut organisiert ist. Es ist günstig und im Grünen gelegen und bei Nachfrage gibt der Besitzer Vincent Tipps oder bringt einen zur Ausgangsstation für Wanderungen. Gekocht wird vor Ort, die Zimmer sind sehr gut, die Atmosphäre familiär und das Personal aufmerksam. Wir haben uns dort sehr wohlgefühlt und der Ort sowie Vincent haben eine beeindruckende Hintergrundgeschichte… Darum an der Stelle: ein großes Lob. 

Nach unseren Wanderungen gings mir etwa zwei Tage schlecht, aber zum Glück durfte ich die nächste Zeit wieder im Süden auf der Halbinsel zwischen Voltamündung und Atlantik in einer Hütte verbringen. Während ich unfähig irgendwas zu verdauen rumlag, spielten die anderen Volleyball, bekamen Sonnenbrand und chillten. Der Weg zur Halbinsel ist mit Trotro, Motorrad und Boot das eigentliche Miniabenteuer. Endlich angekommen, wird man im Beachcamp Maranatha verpflegt und es gibt sehr günstige und sporadische Übernachtungsmöglichkeiten (zwischen 4 und 12 Euro pro Nacht).

Nach ein bisschen Strand ging's für uns wieder zurück nach Accra. Ich zeigte meinen Eltern noch eine Burg und den Kunstmarkt. Wir besichtigten den Triumphbogen und den Black Star Square gleich daneben, was noch ziemlich schön am Ende war. 

Ich fand's eine wirklich coole Zeit, auch wenn so der Fremdenführer-Job mich manchmal herausgefordert hat. Ich bin sehr dankbar, Besuch gehabt und selbst nochmal neue Teile dieses schönen Landes kennengelernt zu haben. :)

Adiza, Kojo und Sohn Liam mit uns

Sonnenaufgang im Kakum Nationalpark

Vati versucht sich beim Trinkwassertragen

Paragliding beim Osterfestival in Kwahu

Blick vom Afadjato in grüne Umland

in Tafi Atome

an den Wli Waterfalls

auf dem Weg zum Beachcamp