Neues Semester & Wochenendtrips nach Accra und Cape Coast
Freitag, 04.02.2022 Freiwilligendienst Reisen Leben & Alltag
Mitte Januar startete wieder unsere Schule mit ein paar ruhigen Tagen der Vorbereitung und gemeinsamer Absprachen in einer Lehrerkonferenz.
Außerdem verändern sich meine Aufgaben zum neuen Jahr. Da nun mehr Lehrerinnen da sind, ist meine Unterrichtszeit teils reduziert und ich bekomme Aufgaben, wie ein bisschen Büroarbeit, das Ausdenken und Durchführen von Aktionen für die Schülerinnen und Nähen lernen.
Ein paar Tage später erzählten wir unserem Mentor Nana von unseren Ideen und so gab's schon einen Sporttag mit Volleyball in der Sonne sowie Musik und anderen Spielen im Schatten.
Es war richtig gut, denn die Schülerinnen schienen ausgelassener und sogar einige Lehrer machten mit.
Außerdem bin ich eifrig am Röcke nähen und kann mittlerweile vom Berechnen der Maße, über den Zuschnitt des Stoffes bis zum fertigen Rock alles selbstständig nähen. :) Als nächstes kommen im Februar die Kleider dran, doch vorher geht's kommende Woche aufs Zwischenseminar nach Koforidua (=Hauptstadt der Eastern Region Ghanas) (Dazu im nächsten Blogartikel mehr ;))
Allgemein entdeck' ich immer mehr und lern' coole Leute kennen. So brachte mir mein Freund Kojo das ghanaische Murmelspiel "Owarel" bei, sang und unterhielt mich mit ihm. Er ist Ingenieur und Musiker, hat seine ganz eigene Sicht auf Ghana und ich find's so gut mit ihm abzuhängen.
Heute Abend bin auch bei der Familie von Nana, meinem zweiten Kumpel zum Essen eigeladen und schon gespannt wie's wird.
Wenn ich am Wochenende nicht gerade Freunde treffe, dann bin ich unterwegs.
So ging's nach Cape Coast und Accra.
In Cape Coast trafen wir Judiths deutschen Besuch Jonathan (bester Kumpel) und Matthias (Bruder) und verbrachten bei einer Pizza einen gemütlichen Abend zusammen.
In Accra besuchte ich den Makola Markt und kaufte nach langem Fragen ein Kartenspiel...
Ich fragte nach 'Card game' und zuerst dachte der Mann, den ich fragte, an Simkarten. Ich verneinte und er brachte mich zu einem Elektroladen der Joysticks anbot. Ich verneinte wieder und dann fragte mich jemand, ob ich 'Spa' - ein ghanaisches Kartenspiel - meinte und ich bejahte. Sofort verstand er mich und binnen einer Minute hatte ich mein Kartenspiel.
Ansonsten traf ich Mareike, die ich in den letzten Tage unserer großen Reise ein bisschen kennenlernte in Accra wieder und wir besichtigten die Artist Alliance Gallery, wo die besten Künstler Ghanas und ganz Afrikas ausgestellt werden. Die Kunstszene ist ähnlich vielfältig wie Ghana. Von Gemälden, über Skulpturen und Masken angefertigt mit den unterschiedlichsten Techniken gibt's alles.
Es war wirklich so gut und kreativ, dass ich wieder kommen werde.
Ansonsten bestand das Wochenende aus Feiern- und Essengehen, sowie aus einem Gottesdienstbesuch. :)
Auch trafen wir Judith, Lea, Jonathan und Rafael wieder, lernten zudem neue Freiwillige kennen und hörten gespannt von ihren Erzählungen. Es war eine gute Zeit und trotzdem stimmt mich aktuell vieles nachdenklich.
Ich merk gerade sehr wie ich mich veränder', was ja zu erwarten war und auch gut so ist.
Trotzdem hab ich manchmal Sorge, dass mich meine Mitmenschen zuhause nicht mehr verstehen... Ich denk viel über die Frage nach, was eigentlich normal ist und was vielleicht auf der gesamten Welt normal sein sollte. Für mich sind Gerechtigkeit, Toleranz, Verständigung und Gewaltfreiheit so Werte, an die ich mich einfach halten will und die so vieles, meine ich, grundlegend besser machen.
Neben meiner Nachdenklichkeit, ist mein Alltag aber gut gefüllt. So steh ich oft zwischen 5 und 6 Uhr auf, mach ein bisschen Sport, esse Frühstück und steig an der Kreuzung ins Trotro zum Markt. Angekommen lauf ich an Läden, Straßenpredigern, Bettlern, Geschäftsleuten, Taxis, Banken und Musikboxen vorbei, werde gegrüßt und grüß zurück, um mir nach einem kurzen Fußmarsch mit einem Sammeltaxi zur Schule zu fahren.
Dort bleib ich dann mindestens von 8:15 Uhr bis 14:30 Uhr aber häufig länger, treffe die Kollegen und mach irgendwas von dem o.g. .
Nachmittags hab ich meistens etwas zu tun: Wäsche waschen, Wasser organisieren, Einkaufen, hoffen, dass der Strom wieder geht, mich freuen, wenn wir Strom haben, Lesen, Musik hören, Putzen, Kochen, Telefonieren, Blog schreiben, auf der Dachterrasse sitzen... also fast wie in Deutschland ;)
Apropos Deutschland: danke für alles Nachfragen, Beten und Spenden. Mittlerweile sind schon, von den erbetenen 2500 Euro, 2350 Euro an Spenden zusammengekommen!
Einen ganz herzlichen Dank!
Bis zum nächsten Beitrag!
Deine/Eure Marianne