Meine erste große Reise durch Ghana

Donnerstag, 03.02.2022 Reisen

Hallo!

Es ist ein bisschen länger her seit meinem letzten Blogbeitrag, aber dafür gibt's jetzt umso mehr zu berichten... ;)

Zum einen habe ich oder besser wir unsere lange Weihnachtsreise hinter uns. Diese startete mit einem Besuch in Cape Coast, wo wir die größte noch erhaltene Sklavenburg in Ghana besichtigten. Außerdem trafen wir eine Holländerin und nahmen gemeinsam mit ihr an einem Kochkurs teil. Dort durften wir meine ghanaische Lieblingsspeise RedRed zubereiten. Die Zubereitung war über glühenden Kohlen in der Nachmittagshitze schon ziemlich warm, aber das Resultat dafür sehr lecker.

Außerdem unternahmen wir gemeinsam mit Albrin, einem Touri-Guide, den wir kennengelernt hatten, einen Tagesausflug in den Kakumnationalpark, wo ich mich zwischen den Baumwimpfeln auf wackligen 30 m Höhe sehr wohl fühlte...

Wir durften an einer Baumführung teilnehmen, wo uns zu jedem Baum die speziellen Eigenschaften erklärt wurden. (Manche helfen gegen Malaria und manche dienten ganz früher den Menschen sogar als Wohnung, weil deren Stamm so wie zwei Wände eines Hauses aussieht!)

Am Nachmittag lernten wir noch den Herstellungsprozess von Palmgin kennen und besichtigten eine Palmölfabrik, wo das berühmte rote Palmöl hergestellt wird, was in Ghana Bestandteil vieler Gerichte ist. Einen Halt machten wir noch, um ein Krokodil zu streicheln. Mit einem Krokodilkenner an der Seite, war das kein Problem.

Nach unseren Erlebnissen in Cape Coast fuhren wir weiter nach Kumasi, der zweitgrößten Stadt Ghanas, wo wir den größten Markt Westafrikas besichtigten. Dieser ist wirklich riesig und genauso groß ist der alltägliche Stau um den Marktbereich. Nach ca. 1,5 Stunden Fahrt im Trotro und einem halbstündigen Fußmarsch, betraten wir schließlich die riesige über drei Stockwerke verlaufende Markthalle (nicht mitgezählt der Markt, der außerhalb der Markthalle noch weitergeht...) Hier gibt's so viel und nach einem Einkaufsbummel aßen wir im Essensbereich des Einkaufszentrums zu Mittag. Am Nachmittag besichtigten wir noch das Ashanti-Museum.

Kumasi liegt in der Ashanti-Region und das Volk der Ashanti, wozu ein sehr großer Teil der ghanaischen Bevölkerung zählt, hat eine sehr lange und spannende Geschichte. Leider durfte man im Museum keine Fotos machen, aber es wurde Artefakte aus früher Zeit ausgestellt und wir bekamen eine Führung rund um die Geschichte und frühere Lebensweise des Jahrtausende alten Volkes.

Bis heute gibt es aber den einen Ashanti-König, dessen Palast sich ebenfalls in Kumasi befindet. Besonders auf Festivals in der Region kann man ihn mit etwas Glück in seinem Gewand aus dem traditionellen Kentestoff sehen.

Über Weihnachten blieben Judith, Lea, Svenja und ich auch in Kumasi und verbrachten den 24. Dezember fernab vom Gewimmel der Großstadt am Lake Bosomtwe. Weihnachten wird in Ghana insgesamt nicht so groß gefeiert wie es in Deutschland der Fall ist. Es gibt kaum bis keine Geschenke, man geht einfach schickgekleidet in die Kirche und isst was Gutes. Oft wird in der Nacht gefeiert. Da ist von Besinnlichkeit nicht viel zu spüren. Allgemein sind viele auch noch den Heiligabend über beschäftigt.

Als wir mit dem Trotro am Abend wieder in die Stadt fuhren, wimmelten viele Menschen herum versuchten etwas zu verkaufen oder transportierten noch ein lebendes Huhn auf dem Schoß im Trotro nach Hause... (da es im Trotro eher eng ist, hatte ich schon ein bisschen Sorgen, dass das Huhn neben mir plötzlich energisch auf mich einpickt...)

Direkt am 25. Dezember machten wir uns auf nach Kintampo, wo unser Trotro zwischendurch eine Panne hatte und wir kurzerhand mitsamt Gepäck “weiterorganisiert” wurden. Bisher hab ich noch nie erlebt irgendwo gestrandet zu sein und nicht weiter zu kommen. So kümmerte sich unser Trotrofahrer darum, dass alle Fahrgäste irgendwie weiterkamen und dafür war ich sehr dankbar.

Angekommen in Kintampo hörten wir Weihnachtslieder und spielten Karten. Außerdem wurde ich spontan zum Weihnachtsbaum, als Judith meinen Kopf mit einer Lichterkette dekorierte. Ich hatte mir in Kumasi Box Braids (dünne lange Zöpfe mit Kunsthaar) mit grünen Haaren machen lassen...

Am Tag darauf fuhren zu den Kintampo Wasserfällen, die eine wirklich schöne und kühle Abwechslung zur Hitze in der Stadt sind. Allgemein ist ja gerade Trockenzeit und der Harmattan weht stets Wüstensand aus der Sahara an, wodurch der Himmel selten klar ist und alles schneller staubig wird. Je weiter man in den Norden Ghanas kommt, desto extremer spürt man die Trockenheit sowohl am eigenen Körper als auch im Landschaftsbild. Wir fuhren praktisch von der schwülen Küste mit Regenwald in die staubtrockene Savanne Nordghanas.

So kamen wir zum nördlichsten Ziel unserer Reise: dem Mole Nationalpark, in dem wir auf einer Jeepsafari sogar Elefanten entdeckten. Ich war so fasziniert von der Eleganz dieser Tiere. Sie bewegen sich so ruhig, sicher und dabei immer sensibel für ihre Umgebung.

Neben der Jeepsafari besuchten wir eine Tanzveranstaltung, wo zu Trommelmusik verschiedene traditionelle Tänze aufgeführt wurden. Mit den Rhythmen der Trommeln tauchte ich in eine leichte Trance und spürte wie unglaublich faszinierend die Musik und der Tanz die Menschen über Jahrtausende hinweg zusammenbringt und Gemeinschaft darin spürbar wird. Generell fiel mir auf, dass Kultur in Ghana mehr über Kleidung, Essen, Gewohnheiten und Tanz weitergetragen wird, während in Deutschland Geschichte und Kultur vergleichsweise mehr über historische Gebäude, Denkmäler und Museen erzählt wird.

Zurück zum Mole Nationalpark: denn, den durften wir gleich zweimal besuchen. So stiegen wir für unsere zweite Safari in ein Kanu und ruderten gemütlich vorbei an schönen Pflanzen über einen Fluss. Außerdem besichtigten wir in diesen Tagen noch Larabanga, wo die älteste Moschee des Landes sowie viele bewohnte Lehmhäuser zu finden sind. Ich sah zum ersten Mal einen großen dicken Affenbrotbaum und da im muslimischen Norden Ghanas Sheabutter hergestellt wird, kauften wir gleich frisch vom Erzeuger ein bisschen was für den Eigenverbrauch. (Sheabutter ist enorm vielseitig verwendbar und wird nicht nur als Kosmetik eingesetzt...)

Nach unserem Aufenthalt in und um den Nationalpark fuhren wir spontan für Silvester wieder nach Cape Coast. Dort trafen wir neue Mitreisende und feierten mit vielen anderen Einheimischen und Touris die ganze Nacht durch. Mit Lagerfeuer, Cocktails, Feuerwerk sowie Lifemusik am Morgen wurde es ein sehr schönes Erlebnis und ich traf gute Leute mit denen ich auch jetzt noch in Kontakt bin. :)

Zwei davon, Jiska und Marla (deutsche Freiwillige aus dem Norden Ghanas), begleiteten noch unsere Weiterreise. Gemeinsam fuhren wir nach Elmina, eine Küstenstadt eine halbe Stunde Taxifahrt von Cape Coast entfernt. Dort besuchten wir wieder mal eine Burg und hörten von der Geschichte des Ortes. Außerdem gab's ein Museum über die Geschichte der Stadt.

Am Nachmittag schlenderten Marla und ich noch am Hafen entlang zu einer katholischen Kirche, von der sich ein wundervoller Blick über die Stadt und das Meer bot. :)

Ich bin irgendwie immer gespannt wie die Kirchen aussehen, weil diese so unterschiedlich sind. In dieser Kirche fand ich die bisher einzige Weihnachtskrippe und irgendwie war es komisch, dass sämtliche Krippenfiguren weiße Haut hatten und auch sonst alle Figuren in der Kirche weiß waren.

Einen Tag vor meinem Geburtstag fuhren wir dann nach Princes Town, da wir durch Judith einen Kontakt zu einem Pastor hatten, der dort ein Kinderheim leitet. Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte. Keiner von uns hatte Ahnung wie der Ort oder die Leute aussehen, die wir treffen sollten. Aber wir waren gespannt.

Wir kamen an einem grünen weitläufigen Ort mitten an einem Fluss an. Pastor Prince sowie seine Frau Edith, seine Mutter, seine Schwestern und 10 Kinder hießen uns willkommen. Und irgendwie wurden es zwei richtig schöne Tage.

In der Nacht vom dritten auf den vierten Januar gingen wir zum Strand, um bis Mitternacht unterm Sternenhimmel auf dem Sand zu liegen. Am nächsten Morgen wuschen wir Kleidung, kochten gemeinsam, besichtigten eine Burg,aßen kleine Kuchen und tanzten mit den Kids bis in die Nacht.

Ich lieb den Ort, weil er ruhig und mitten in der Natur ist. Ruhe ist in Ghana sehr selten zu finden und so genoß ich die Tage mit der Begutachtung von Pastor Prince Ananaspflanzen, dem stampfen von Ghanas Nationalgericht Fufu und dem pflanzen und zubereiten von Maniok. Nebenher erzählte uns Pastor Prince vom Kinderheim und der Schule (dessen Schulleiter er nebenbei noch ist), seinen Träumen für die Einrichtung sowie den Schwierigkeiten, die er manchmal mit den Menschen vor Ort hat. Pastor Prince lud uns ein jederzeit wieder zu kommen und wir Freiwilligen machten uns aus als Dankeschön, was fürs Kinderheim zu spenden.

Anschließend fuhren Marla, Jiska, Judith und ich weiter zum südlichsten Punkt Westafrikas (Cape 3 points genannt). Der Weg zur nahegelegen Ecolodge, wo wir für eine Nacht Quartier nahmen war abenteuerlich und wunderschön. Es ging durch große Pfützen in einen Wald voller Gummibäume und bergige Straßen hinauf, von wo sich ein genialer Blick über die Küstenebene bot. Schließlich kamen wir glücklich an, machten mit den Leuten vor Ort eine Tour durch den Garten, aus dem die Küche der Ecolodge den Hauptteil ihrer Lebensmittel bezieht, probierten Passionsfrüchte und lernten, dass es neben der sonst eher vermüllten Umgebung auch sehr saubere und nachhaltig gestrickte Orte gibt. Das fand ich unterstützenswert und werde bestimmt mal wieder kommen.

Ich übernachtete im Bettenlager und bekam ein Bett, aus dem ich umgeben von Palmen und Pflanzen das Meer sehen konnte. Ich glaub, so muss es sich anfühlen im Paradies aufzuwachen... :)

Von unserem Übernachtungsplatz wanderten wir zum Cape 3 point über den Strand und durch den Küstenwald. Es war so schön und außer uns war an diesem Strand fast keiner. Angekommen bestiegen wir einen Leuchtturm, der fast hundert Jahre alt ist und bis heute noch genutzt wird und schauten über den Atlantik in Richtung Antarktis.

Am Nachmittag ging unsere Reise dann auch schon weiter nach Busua. Dort spazierten Marla, Judith und ich singend und quatschend über den Strand und ich traute mich wieder aufs Surfbrett, was diesmal überraschend erfolgreich war. :)

Nach drei erfüllten Wochen, in denen ich soviel über Ghana und mich lernen durfte ging's wieder heim nach Takoradi...

Abschließend kann ich sagen, dass ich es besonders cool fand, dass Jiska und Marla dabei waren, da sie nicht nur echt tolle Menschen sind sondern auch mit ihren Erzählungen von ihrem Leben im Norden Ghanas mir ein “ganz anderes Ghana” näher brachten. Ghana ist wirklich so vielseitig und groß, dass man dem Land und den Menschen mit einer kurzen Urlaubsreise unmöglich gerecht werden kann. Ich halte darum einen langen Aufenthalt für sinnvoll und bin unglaublich dankbar Stück für Stück mehr in die Kultur und die Hintergründe für manches Ungewohnte einzutauchen.

Besonders helfen mir dabei auch meine neuen Freunde Kojo und Nana, mit denen ich seit dem ich wieder da bin gern Zeit verbringe. So habe ich neben dem Näh- und Fantiunterricht in der Schule noch gute Begegnungen am Nachmittag und viele Ideen für mein neues 2022...

Bleibt gespannt...:) Ich hoff' ich schaff's hin und wieder hier zu schreiben. Mein Plan ist, ab sofort mindestens einmal im Monat zu schreiben, denn mittlerweile bin ich so beschäftigt, dass es wahrscheinlich nicht öfter wird.

Ich wünsch mir so sehr noch soviel zu entdecken, zu lernen, mehr und mehr auch zurückgeben zu können sowie gesund zu bleiben und das gleiche wünsche ich dir/euch auch!

Bis zum nächsten Mal,

Deine/Eure Marianne

Kakum Nationalpark

Nationalpark in Nordghana

Älteste Moschee in Larabanga

Kintampo Wasserfälle

Kuscheliges Krokodil ;)

Bei der Red Red Zubereitung

Natur direkt am Kinderheim :) (Das Kinderheim wird mit Spenden aus Deutschland finanziert, darum die zwei Flaggen)

Beim Fufu stampfen an meinem Geburtstag