Eine Reise nach Busua und meer..:)

Mittwoch, 01.12.2021 Freiwilligendienst Reisen

Hallo und erstmal einen wunderschönen Start in die Adventszeit euch! Ich hoffe sehr, dass euch trotz oder vielleicht gerade wegen Corona eine besonders besinnliche, erholsame und ruhige Zeit in Deutschland habt.

Bei mir in Takoradi ist von Advent und Weihnachten sehr wenig zu spüren. Entsprechende Dekoration hab ich bisher nur im Supermarkt gesehen. Es ist jedesmal ganz komisch, wenn ich von der Hitze draußen in den klimatisierten und mit Plastiktannenbäumen sowie Weihnachtsschmuck dekorierten Markt komme. Da hört man dann Weihnachtsmusik und ich muss jedes Mal schmunzeln, wenn von Schnee und Rehntieren gesungen wird...\

Viel lieber als im Supermarkt bin aber natürlich auf Reisen! Und so ging es vor eineinhalb Wochen das erste Mal ans Meer nach Busua. Um in Ghana unterwegs zu sein, nutzt man v.a. Kleinbusse (genannt Trotro) und so machten wir uns früh am Morgen auf zur Trotro-Station (eine Art Busbahnhof für Kleinbusse). Wir fanden auch sofort das richtige Fahrzeug und saßen bereit zur Abfahrt als erste drin, doch im Gegensatz zu Deutschland fährt ein Kleinbus hier dann los, wenn genug Leute im Bus sitzen. D.h. dass wir ca. eine Stunde warteten bis wir endlich loskonnten, weil einfach zu Beginn nur wenige Menschen in unserer Richtung wollten. Beim Warten wird einem jedoch nicht langweilig, denn ständig kommen Händler mit ihren Waren vorbei und wollen was verkaufen. Wir kauften also schonmal unser Mittagessen, Taschentücher sowie eine Sonnenbrille für mich und freuten uns als es irgendwann doch losging. Die Reise war super und wir kamen sicher und unkompliziert nach ca. 2 Stunden an. (Fast ein bisschen langweilig fand ich. Ich dachte, dass das abenteuerlicher wird aber es wird nicht unsere letzte Reise gewesen sein...) Mittags entdeckten wir eine schöne Unterkunft direkt am Meer und ich sprang auch gleich in die Wellen. Am Strand fall ich gefühlt noch mehr auf und so hatte ich sofort Gesprächspartner, die sich mir vorstellten. Insgesamt hab ich das Gefühl, nach einem Wochenende, so gut wie jeden Menschen, der dort regelmäßig am Strand ist, kennengelernt zu haben. Dabei hab ich mich aber fast immer wohl gefühlt. Nach einem faulen Nachmittag, der mit einem Sonnenbrand und einer leckeren Pizza endete ging ich noch ein bisschen abends durch die Straßen von Busua. Ich mag es sehr mich so umzuschauen, die Menschen, Lädchen und Orte kennenzulernen. Ganz oft sprachen mich die Einheimischen freundlich an und ich unterhielt mich ein bisschen. Ich liebe die entspannte und ruhige Stimmung in Busua. Hätten wir einen derartigen Ort in Deutschland, wär' dieser sehr wahrscheinlich komplett überteuert und von Touristen überrannt. Hier bin ich froh, dass ich als Touristin in der klaren Unterzahl bin und es sowohl auf den Straßen als auch am Strand ein Miteinander von Einheimischen und Touristen spürbar wird. So durften Svenja und ich am Samstag zum ersten Mal surfen lernen und waren nach 1,5 Stunden schon ziemlich fertig. Nach einer längeren Pause wagten wir uns wieder in die Wellen und Svenja schwamm sogar noch bis zu einer im Meer gelegenen Insel. Das macht sonst keiner, aber sie ist Rettungsschwimmerin und hat 5 Jahre aktiv mehrmals wöchentlich trainiert. Außerdem wurde sie vom Surflehrer Peter, der nebenher auf dem Brett paddelte begleitet. Am Abend wurden wir von Peter noch zum Lagerfeuer am Strand eingeladen und nahmen in Hängematten, zwischen den Palmen Platz. Dort lernte ich auch Bennet aus Kassel kennen, der in Ghana arbeitet und wir unterhielten uns gut. Spät nachts ging es dann zurück zur Unterkunft, um am nächsten Morgen nach kurzem Schlaf beim Sonnenaufgang am Meer zu sein. Das war wirklich schön und so fuhren wir nach noch ein bisschen Baden müde und glücklich zurück nach Takoradi. Insgesamt hab ich allein an dem Wochenende soviel lernen dürfen: sei es über verschiedene Art und Weisen sich zu begrüßen, die Menschen in Busua, wie man in Ghana am Strand Feuer macht (das ist ganz anders als in Deutschland), wie man mit dem Trotro reist und und und... Dafür bin ich dankbar. Nach unserer Wiederkunft aßen wir in einer Chopbar, eine Art ghanaisches Schnellrestaurant noch Fufu und Reisbälle, um anschließend den Abend auf der Dachterasse ausklingen zu lassen.\

Die darauffolgende Woche wurden wir beide jedoch krank und machten unseren ersten Malariatest, der zum Glück negativ ausfiel. Ich kurierte meine Gehörgangentzündung aus und nach einer Woche stand ich wieder motiviert vor meiner motivierten Klasse. Die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern zahlt sich immer mehr aus und ich bin richtig zufrieden mit dem Unterricht. Sie spicken viel weniger, machen ganz viel mit und zeigen das sie verstehen bzw. bitten ehrlich um Hilfe, wenn sie noch Probleme haben. Wir kommen auch viel zügiger voran und ich fühl mich gleichzeitig viel ruhiger und souveräner als zu Beginn. Ich bin sehr dankbar, dieses Fazit nach zwei Monaten in Takoradi ziehen zu können und freu mich schon auf die nächsten Stunden. Doch bald sind Ferien und davor stehen noch große Mathetests an... Mal schauen, wie die werden. :) Nebenher sind Svenja und ich auch Schülerinnen und versuchen uns im Fantiunterricht bei Donald. Im Gegenzug dazu geben wir unseren Kollegen Deutschunterricht im Lehrerzimmer. Das macht richtig Spaß und so gibt's in den Pausen immer wieder kleine und große Dialoge auf Englisch, Fanti und Deutsch. :)

Nun denn, bis zum nächsten Artikel... Dann mit Schilderungen von unserer Reise nach Ghanas Hauptstadt Accra. Bis dahin wünsch' ich einen fleißigen Nikolaus. Der kommt hier leider nicht vorbei und einen Adventskalender hab ich auch nicht bekommen können... generell fallen mir plötzlich viel mehr die ganzen Bräuche und Traditionen auf, die für mich in Deutschland so normal sind. Das ist schon ein wirklicher kultureller Reichtum, den ich ein bisschen vermiss. Aber ich lenk mich ja gut ab und freu mich auf alles, was ich genießen kann, wenn ich wieder zurück bin.

Wir im Trotro... (Der Handgriff ist etwas lose)

Beim Kokosnussprobieren

Fischerboote, mit denen weit rausgefahren wird um richtig große Fische zu fangen

Nach einem Strandspaziergang...

Unsere geliehen Surfbretter und im Hintergrund ganz klein die Insel, zu der Svenja schwamm

Blick über Busua

Nächtliches Lagerfeuer, dass hier von oben nach unten abbrennt und mit Kerosin entfacht wird

Ein letzter Blick vom Eingang der Unterkunft aufs Grün, dass das Meer verdeckt.

Wieder im Unterricht und glücklich, darüber das die Schüler selbstbewusst Aufgaben an der Tafel lösen