Kranksein in Ghana und viele Dankeschöööns

Mittwoch, 10.11.2021 Leben & Alltag

In der letzten Woche beendete ich mein erstes Kleid. (Jippi!) Leider erkältet ich mich bereits am Donnerstag. (Ich glaub ich hab mich bei einem Kollegen angesteckt und da man abends eigentlich immer verschwitzt einschläft und es in der Nacht runterkühlt, sind auch hier Halsschmerzen und Co. am nächsten Morgen nicht so selten.)

Dadurch dass ich kränklich und bald auch nervlich am Ende war, halfen mir Madam Margret und Svenja etwas beim Nähen. Auch wenn ich es ganz gern alles selbst fertig genäht hätte, bin ich den beiden dankbar und mit dem Endergebnis zufrieden. (Das Ziel war am Sonntag mit den neuen Kleidern im Gottesdienst zu sitzen, darum verschoben wir die Arbeit, trotz meines Kränkelns, nicht.) Am Sonntag war es dann fertig und ich auch, sodass das Kleid auf dem Bügel und ich im Bett blieb.

Im Umgang mit Kranken unterscheidet sich Ghana nach meiner bisherigen Erfahrung ein bisschen von Deutschland. Die Menschen sind religiös und fast jeder geht in die Kirche oder die Moschee oder irgendein anderes Gotteshaus... Wenn ich krank bin, sind die Menschen, die mich kennen oft (sehr) besorgt und beten voller Zuversicht für mich und mit mir. In Deutschland würde es nicht so schnell passieren, dass die Gemeinde, die Leute aus der Schule und die Bekannten, die man gerade erst kennengelernt hat für mich beten. Sowas kommt eher dann vor, wenn man schwerer erkrankt ist und langfristig ausfällt. Darum dachte ich mir anfangs: "Ist doch alles nicht so schlimm. Ich hab ja kein Krebs oder so. Da muss man ja jetzt nicht so besorgt sein. Ich will keine Belastung sein. Ich will nur meine Ruhe und ich werd' schon wieder..." Mittlerweile hab ich verstanden, dass es etwas total Wertvolles ist, wenn andere für einen beten und an einen denken. Ich kann das nun dankbar annehmen ohne mir Druck zu machen.

Ein weitere schöne Tatsache ist, dass wir zwei Obrunis - sowie wir "Weißen" manchmal genannt werden - bereits nach unserer kurzen Zeit hier von den Menschen in der Umgebung wahrgenommen und wiedererkannt werden. Während ich krank war, ging Svenja allein einkaufen und sogar ein Taxifahrer und einige Straßenverkäuferinnen, bei denen ich vor zwei Wochen eine Kleinigkeit erstanden hatte, fragten, wo ich denn sei...:)

Dankbar bin ich auch, dass ich am Montag zum ersten Mal vorm ersten Jahrgang des Ausbildungszentrums unterrichten durfte. Da ich immer noch kränklich klang, war ich froh, dass es bisher nur drei Schülerinnen sind, die mich in der ersten Reihe trotz kratziger Stimme gut verstanden. Am Ende forderten sie begeistert mehr Hausaufgaben und ich freute mich, dass sie so motiviert waren. (Bei der Schülerzahl: Keine Sorge, es werden bis Januar noch mehr Schülerinnen, da das Ausbildungsjahr dann offiziell beginnt.)

Einen riesigen Dank empfand ich aber besonders gestern, als ich die Nachricht bekam, dass innerhalb der ersten zwei Monate meiner Zeit hier bereits 1440 Euro an Spenden zusammengekommen sind! Um ehrlich zu sein kommen mir immer noch die Freudentränen, wenn mir klar wird, dass soweit weg in Deutschland Menschen an mich denken, mich im Gebet, Gespräch und finanziell unterstützen und den Dienst auch langfristig möglich machen. Das berührt mich jedes Mal, gibt mir wirklich viel und spornt mich an, das Beste aus der Zeit hier zu machen. Ich bin so unglaublich dankbar für alles Lesen, Fragen, Spenden, Weitererzählen (Besonders großen Dank an der Stelle an meine Eltern, die soviel teilen. Was wär ich nur ohne sie?) und zuletzt für meinen Freund Lukas, mit dem ich nicht nur gerade viele gute Telefonate genieße, sondern der diese Website auch so schön programmiert hat, damit ihr auf dem Laufenden bleibt.

Wärmste Grüße aus Ghana!

Hausaufgaben, die den Schülerinnen noch zu wenig waren... ;-)

Die Arbeitsplätze der Auszubildenden :)

Mein kleines Dankbarkeitstagebuch mit der Seite von gestern :)