Nähen, eine Einladung und das erste Mal beim Arzt
Mittwoch, 03.11.2021 Freiwilligendienst Leben & AlltagIn der vergangen Woche lernte ich vom Skizzieren, Maßnehmen, Maße übertragen, Abstecken bis zum Nähen mit Hand und mit Handnähmaschine so einiges. Ich finds unglaublich cool wie schnell ich was machen darf und so bin ich nach ein bisschen Üben an der Handnähmaschine (damit ich die Bedingung lerne, die sich schon ein bisschen von der elektrischen Nähmaschine unterscheidet) mittlerweile etwas verschwitzt aber mit viel Konzentration daran mein erstes eigenes Kleid zu schneidern. Dabei suchten Svenja und ich uns ein Foto mit einem Stil, den wir gern umsetzen möchten und übertrugen dies unter Anleitung von Madam Marget und Madam Emilia auf den Stoff. Ich bin da so dankbar, dass ich mit den beiden zwei gute Lehrerinnen habe. Gerade heute geschah beim Nähen etwas Witziges. Da wir nur einen Nähmaschine haben, muss ich manchmal warten und in so einer kleinen Pause kam eine Schülerin mit einem Eimer Wasser auf dem Kopf über den Hof. Sie fragte wie's mir geht, ich antwortet "I'm good" und fragte zurück. Kurz nachdem sie "I'm doing well" geantwortet hatte, brach der Eimer und ein paar Sekunden später stand sie mit allen gemeinsam lachend und von oben bis unten nass da. Ich fands gut, dass alle darüber lachen konnten. :)
Natürlich gings für mich auch wieder in den Unterricht. Ich nahm das neue Thema "Brüche" dran und freute mich, dass viele mitarbeiteten. Insgesamt war die Unterrichtsatmosphäre richtig gut. Das bedeutet, dass es ruhiger war, weniger bis gar nicht gespickt wurde und allgemein meine Schüler mir zwischendurch und am Ende mit dem Vorzeigen ihrer Lösungen und mündliches Feedback vermittelten, dass sie es verstanden haben und den Unterricht gut fanden. Nur bei einigen wenigen hab ich bemerkt, dass noch Basiswissen fehlt und die Motivation für das Neue somit auch nicht da ist. Das kann an Vielem liegen und wird meine Herausforderung damit umzugehen. Ab nächster Woche bekomme ich übrigens die Schüler, des stetig wachsenden und neue ersten Jahrgangs dazu. Bin schon gespannt, wie das wird. :)
Was ist sonst noch so passiert?
Am Samstag waren wir bei Madam Emilia zum Essen eingeladen und ich aß traditionell ghanaisch mit der Hand. Vorher besuchten wir aber noch kurz ihren Onkel, ihre Mutter und lernten ein bisschen ihre Schwester kennen. Dabei fuhren wir mit Madam Emilias Auto durch Sekondi, was der zweite und ältere Teil der Zwillingsstadt Sekondi-Takoradi ist. Ich freute mich über das Grün draußen und eine Kuhherde, die auf der gegenüberliegenden Fahrbahn lief. Im Umgang mit Tieren auf der Fahrbahn bewahren nach meiner Beobachtung hier die Menschen die Ruhe, fahren vorsichtig und hoffen, dass die Tiere sich von allein zur Seite gehen. Es ist mir nach wie vor ein Rätsel, wem die Tiere gehören und wie die Besitzer die Ziegen, Hühner und Kühe von einander unterscheiden oder in der Stadt wiederfinden.
Bei Madam Emilia angekommen durften wir auf Sofas Platz nehmen und gemeinsam mit Donald (auch Lehrer im Ausbildungszentrum) Fußball schauen. Ich hab echt lange nicht mehr auf einem Sofa gesessen und überhaupt bewusst Fernsehen geschaut. Fußball ist aber so ziemlich der beliebteste Sport in Ghana und so durften wir klebrigen Reis sowie gut gewürzte Soße mit Hühnchen genießen bis wir uns mit echt vollen Bäuchen auf den Weg zum Meer machten. Dabei passierten wir eine der wenigen Bahnstrecken in ganz Ghana. Das Hauptverkehrsmittel für lange Strecken ist nämlich das Troto, wie die Kleinbusse mit Platz für ca. 10 Menschen genannt werden. Damit werden wir bestimmt bald reisen und ich bin schon gespannt, denn wir haben zwar Ideen aber noch keinen konkreten Plan. Es gibt auch Flughäfen in den größeren Städten z.B. in Takoradi, aber beim Fliegen sieht man nichts vom Land und es ist vergleichsweise sehr teuer.
Bevors aber weiter weg geht, will ich erst mal wieder gesünder werden. Nicht das ich mich krank fühle, aber meine Lymphknoten sind seit Wochen schmerzhaft angeschwollen.
Ich kam dabei in eine private Praxis, die den mir bekannten deutschen Praxen sehr ähnelte mit einem ghanaischen Arzt, der schon in Ost- und Westberlin war, in Russland Medizin studierte und in Großbritannien sein Prüfungen schrieb. Das halbe Arztgespräch ging über seine Kontakte in Deutschland, Italien, Frankreich... und ich fands richtig spannend, aber mir taten auch die Wartenden draußen leid. Er wünschte mir einen guten Aufenthalt in Ghana und schrieb mir das nötige Antibiotikum usw. auf, dass ich am Ende bezahlte. Die Tatsache, beim Arzt direkt bezahlen zu müssen, ist der mir bisher bekannteste Unterschied zu Deutschland. Für viele Menschen ist das leider schlichtweg zu teuer und das macht mich traurig. Es ist einfach schwierig, wenn medizinische Versorgung mehr eine Kosten- als eine Frage, der Notwendigkeit ist. Ich bin durch den CVJM auslandskrankenversichert, sodass ich das Geld wiederbekomme und nun hoffe, dass alles gut abheilt.
(Ein kleiner Nachtrag zum Thema Einladen und eingeladen werden: Wir sind natürlich auch schon Gastgeber gewesen. So kam unser Ansprechpartner Nana Sonntagnachmittag vorbei, ich machte Eierkuchen und Kaiserschmarrn für ihn (Da Nana schon in der Schweiz war, wusste er auch was ihn bei Kaiserschmarrn erwartet...) wir spielten Skipbo, hörten Musik und unterhielten uns darüber, welche Lieder wir gut finden und uns inspirieren. Es war wunderbar und ich hab gern Gäste da. :) )