Handarbeit, ein Nachtauflug und ein festlicher Abschluss

Mittwoch, 27.10.2021 Leben & Alltag Freiwilligendienst

Hallo aus Takoradi!

In der vergangenen Woche nähten wir zwar noch nicht selbst, doch lernten ein bisschen Theorie (z.B. wie man den Stoff zuschneidet und vorher misst und aufzeichnet. Außerdem durften wir uns in Handarbeit üben und bastelten einen Schlüsselanhänger und einen Haarschmuck. In Ghana wird häufiger sehr auffälliger und bunter Schmuck getragen und es sieht an den Ghanaerinnen auch echt toll aus. Für mich persönlich ist es ein bisschen zu viel und so freu ich mich aufs Nähen. :) Stoffe und eine Nähmaschine bekommen wir genauso wie die Materialien für die Handarbeit auf dem neuen Markt, den wir vergangene Woche erst so richtig entdeckten und uns entschlossen haben, viel mehr hier bei den lokalen Händlern zu kaufen. Außerdem hab ich mich schlau gemacht, was so an Gemüse, Früchten und Co. in Ghana wächst. Das ist oftmals nicht nur günstig, sondern auch sehr frisch und lecker. Ich hab schon richtig Lust auf das Kochen mit den neuen und mir noch unbekannten Zutaten. Bisher kann ich Maniok/Cassava empfehlen. Man muss ihn großzügig schälen, in Stücke schneiden und dann wie eine Kartoffel weich kochen. Die Cassavapflanze ist recht anspruchslos und überlebt auch lange Trockenzeiten, darum dient Maniok sehr vielen Menschen in Afrika aber auch Lateinamerika als Grundnahrungsmittel.

Genug vom ghanaischen Essen. Am Wochenende ging es zum ersten Mal abends so richtig raus. Wir haben zwei Leute namens Isaac und Kwame vom MTN-Store, wo man so Kram wie SIM-Karten und WLAN kaufen usw. kann, kennengelernt. Mit ihnen trafen wir uns abends im KFC (die einzige Fastfoodkette, die ich bisher gesehen habe. Keine Spur von McDonalds und Burgerking... aber ich vermiss es auch nicht). Nach ein bisschen Aufenthalt da, fuhren wir zu einer Bar am Meer, bestellten Getränke und ich genoss unter freiem Himmel das Rauschen der Wellen. Anschließend besuchten wir noch ein Konzert von Kofi Kinaata, einem in Takoradi aufgewachsenen und sehr gefeierten Rapper, dessen Texte auf Fanti, dem lokalen Dialekt der Sprache Twi sind und ich darum nichts verstehe. Trotzdem find ich's richtig cool, dass er die lokale Sprache nutzt und damit auch die Herzen seines Publikums gewinnt. Wer was hören will, kann mal auf YouTube oder Spotify nach ihm schauen. Mit Isaac und Kwame war der Abend schon entspannt, doch manchmal wünsch ich mir hier eine ghanaische Freundin. Wir werden einfach viel öfter von Männern angesprochen und ich hoffe echt, dass wir noch mehr Frauen in unserem Alter auch außerhalb unserer Arbeitsstätte kennenlernen.

Apropos Arbeitsstätte, mit der Lehrerin Peace bekam das unsere Ausbildungsstätte eine neue Mitarbeiterin und das ist echt gut. Wenn eine Schule zu wenig Lehrkräfte hat, kann sie vom Staat noch sogenannte National Service Kräfte dazu bekommen und das ist hier der Fall.

Montag kauften wir unsere ersten Kokosnüsse und es ist schon nicht so leicht diese zu knacken, aber die Kokosmilch drin schmeckt echt gut. Dienstag gings dann bei mir zum zweiten Mal mit dem Unterricht los und auch mit den Materialien, die ich nun alle bekommen habe, ist es immer noch herausfordernd ein Gefühl für den aktuellen Wissensstand zu bekommen. Denn nur weil irgendwann etwas aufgeschrieben wurde, muss das noch lange nicht perfekt sitzen... Dann heißt es für mich geduldig und ggf. mehrmals zu erklären sowie gute Aufgaben zum Üben zu geben. Umringt von Schülerinnen, die mir ihre Lösungen vorlegen, gehe ich diese dann durch und kontrolliere, erkläre ggf. nochmal, wo der Fehler war und woran sie denken müssen, um es beim nächsten Mal besser zu machen. Das alles und drei Stunden am Stück auf Englisch ist schon ein bisschen anstrengend. Natürlich gibt es auch Pausen, aber diese sind dann länger und dafür nicht so oft. Während ich kontrolliere, haben die Schülerinnen natürlich etwas Freizeit, was auch wichtig ist. Doch ich mach's gern und hab vor, einen guten Stil für mich zu finden und mich zu verbessern. Dazu reflektier ich nach dem Unterricht und notier mir, was ich beim nächsten Mal besser machen will und hol mir Feedback von den Schülerinnen (und ok, ein Schüler ist tatsächlich auch dabei). Ich bin dankbar, mich so ausprobieren zu können und möchte, dass es mit der Zeit immer besser läuft.

Heute am Mittwoch durfte ich dem Lobpreisteil am YMCA beiwohnen, wo aber v.a. ein Mann auf Fanti sprach und ich nur durch Sir Donalds Übersetzungen Bruchstücke des Gesagten mitbekam. Nachher durfte ich dann an der Abschlusszeremonie eines Programms für erwachsene Frauen teilnehmen, die am YMCA ebenfalls ausgebildet werden. Ganz viele Frauen, in schönen Kleidern kamen zusammen, es gab viele Reden und Fotos sowie am Ende für jeden etwas zu Essen und Tanzmusik. Das fand ich wirklich schön und bin gespannt auf die nächste Zeit...

Liebe Grüße!

Einkaufen für die Handarbeit

Marktbesuch :)

Beim Basteln von ghanaischem Kopfschmuck

Mein aus Perlen gebastelter Schlüsselanhänger ;-)

Ein Blick auf den Hafen Takoradis

Nachtausflug - Schriftzug im Hintergrund: "I love Takoradi"

Die Absolventinnen bei der Abschlusszeremonie und Zeugnisausgabe

Von den Absolventinnen hergestellte Kopfbedeckungen, Fächer, Pantoffeln, Taschen und Rucksäcke