Erste Tage an meiner Einsatzstelle

Mittwoch, 06.10.2021 Freiwilligendienst

Am Montag machten wir uns mit Nana auf zum Ausbildungszentrum. Dort warten wir ein bisschen im Büro und schauten uns anschließend um. Viele junge Frauen schätzungsweise im Alter zwischen 14 und 18 Jahren in violetten Kleidern begutachteten uns neugierig und lachten viel. Wir wurden den Lehrerinnen Madame Marget und Madame Florence vorgestellt. Warum gerade in der Schule die Lehrkräfte "Madame" (französische Aussprache) genannt werden, weiß ich nicht, aber es ist so. Bei Madame Florence durften wir dann im Klassenzimmer Platz nehmen und lernten in der darauffolgenden Stunde etwas über Gemüse. Im "YMCA Vocational Trainingscentre", wie die Ausbildungsstätte heißt, dauert eine Ausbildung zur Schneiderin oder im Catering drei Jahre und wir trafen zuerst auf die Schülerinnen der Catering-Klasse des zweiten Jahres. Die Stimmung war locker und ich fühlte mich, nachdem wir uns und sie sich vorgestellt hatten auch echt wohl. Am Mittag zeigte Nana uns noch die Umgebung. So fuhren wir zu einem Ort, wo es leckres Redred, hier auch "Beans" genannt, gibt und kennen jetzt den Weg zum Meer. Nachmittags kam ich erschöpft nach Hause und genoss nach einem abendlichen Einkauf den Blick über das nächtliche Takoradi. \

Dienstag durften wir dann erneut mit Nana zur Schule fahren und waren ähnlich spät da. Normalerweise beginnt der Unterricht um 8 Uhr und endet um 14:30 Uhr. Doch da wir noch neu und keine Auszubildenden sind, ist das ok. Unsere Aufgabe ist erstmal uns einzugewöhnen, zu gucken und zu lernen. Freundlicherweise durften wir aber schon mehr als nur gucken... und so nahmen wir vor der Klasse von Madame Florance Platz und die Schülerinnen versuchten uns verschiedene Gemüse und Früchte auf Fanti, ein Dialekt der Sprache Twi beizubringen. Unsere dürftigen Wiederholungsversuche der korrekten Aussprache wurden teils mit einem respektvollen Kopfnicken, wenn wir es richtig aussprachen oder mit Gelächter, wenn wir uns auf wahrscheinlich falsche aber witzige Weise ausgedrückten, kommentiert. Anschließend sangen wir gemeinsam ein Lied auf Fanti, dessen Text sie uns vorher schnell beibrachten. Doch danach wollten sie ein deutsches Lied hören und so entschied ich mich spontan für "Auf einem Baum ein Kuckuck simsalabimbambasaldusaladim..." Der Rhytmus wurde mitgeklatscht und nach einem Applaus wollten sie es gleich selbst lernen. :D Natürlich übersetzten wir das Lied erstmal ins Englische und siehe da, sie hatten direkt etwas mit ähnlichem Inhalt auf Fanti parat. Im Anschluss durften wir noch ein paar Basisvokabeln der deutschen Sprache teilen und auch am Tag danach erinnerten sie sich noch an "Hallo", "Bitte", "Danke" und "Guten Tag",... \

Den Mittwoch verbrachten wir ebenfalls damit zu lernen, wie Unterricht abläuft. Bisher hab ich zum einen Frontalunterricht erlebt, der sehr auf einem "Lehrerin fragt was und Schülerin steht auf und antwortet"- Schema beruhte. Immer wenn ein Teil oder die ganze Antwort richtig ist klatschen alle in einem bestimmten kurzen Rhythmus für die Person, die richtig geantwortet hat. Auf der anderen Seite gab es z.B. eine Stunde, in der die ganze Zeit eine Schülerin an die Tafel schrieb und die anderen abschrieben. Wesentlich praktischer wird es in Fächern wie Nähen oder Kochen, die ich bisher nur am Rande erlebt habe und da noch gespannt auf die nächsten Tage bleibe. Besonders die Catering-Klasse fragt immer wieder neugierig, welche der ghanaischen Gerichte wir schon kennen und probiert haben und möchte unbedingt mit uns kochen... :)

der größte Raum, in dem nach meinem Wissensstand genäht wird und die Prüfungen stattfinden

Ein Blick nach draußen auf den "Innenhof" des Ausbildungszentrums

Auf Entdeckungstour mit Nana

Ich finde lokale Bananen einfach super lecker :)

Unser normaler Weg zum Einkaufen, zur Schule...

Takoradi bei Nacht, Blick Nummer 1 (in Richtung Meer)

Takoradi bei Nacht, Blick Nummer 2

und mein Zimmer :)