Vom Krankenhausbesuch und ghanaischen Nachrichten
Freitag, 18.03.2022 ReisenAnfang März bekam ich spontan die Möglichkeit in den Norden Ghanas zu reisen, da unsere Schulleiterin Ferien angekündigt hatte. Dort kenne ich bereits drei Freiwillige, die so spannende Dinge über ihr Leben berichteten und die ich auf Anhieb mochte, sodass ich stundenlang im Trotro einmal vom Süden bis an die Grenze Burkina Fasos fuhr.
Von Takoradi ging's nach Capecoast und tags darauf nach Kumasi. Im Bus nach Kumasi lernte ich einen Tourguide kennen, der mir in Kumasi auf dem Weg von der Busstation zum Gasthaus ein Teaching Hospital zeigte, in dem werdendes Krankenhauspersonal ausgebildet wird. Um das Krankenhaus und auf den Gängen, waren viele Menschen und ich fragte, was sie hier machten. Er meinte, dass sie sich um ihrer Verwandten im Krankenhaus kümmern. Das Pflegepersonal ist primär für die Medikamentenvergabe und zur Überwachung da. Daneben ist es anscheinend selbstverständlich, dass die Verwandten Essen bringen, den Patienten waschen, umziehen und für ihn da sind. Natürlich hat nicht jeder Patient Verwandte in der Stadt, sodass das Pflegepersonal zum Teil auch die o.g. Aufgaben übernimmt und im Krankenhaus auch für die Patienten gekocht wird. In Ghana gibt es keine umfassendere Krankenversicherung wie die gesetzliche in Deutschland und viele können sich keine private Krankenversicherung leisten, sodass sie fast immer in bar vor der Behandlung (z.B. Medikamente, Röntgen, Ultraschall, OPs) bezahlen müssen.
Im ghanaischen Fernsehen laufen darum regelmäßig Spendenaufrufe für diverse Notfälle. Einmal konnte ich zufällig im Fernsehen einer Lehrerin zu sehen, die im Krankenhaus wegen eines Blutgerinnsels im Gehirn lag und dringen für 169.000 Cedi (damals ca. 24000 Euro) operiert werden sollte, ansonsten würde sie sehr sicher sterben. (Zur Information: Eine Lehrkraft in Ghana verdient ca. 50 bis 150 Euro monatlich.)
Sie wurde in ihrem Krankenhausbett interviewt und ich fand den Gedanken angsteinflößend, wenn von einem Moment auf den anderen das ganze Leben von anonymen Spenden abhängt und man bangt und hofft, dass irgendwie die unglaublich hohe Summe rechtzeitig zusammenkommt, um das Leben zu retten. Auch weiß ich nicht, wie sich ein Arzt fühlt, der jemand wegschicken muss, weil die Person nicht genug Geld hat...
Manchmal finden die Menschen andere und vielleicht ungewöhnliche Wege. Zum Beispiel haben viele einen tiefen Glauben und lassen für sich in Krankheit beten, um wieder gesund zu werden. Manche glauben auch an Geister und verehren Götter, die nicht dem verbreiteten Islam und Christentum, zugerechnet werden können. Diese bitten sie dann durch Priester und z.T. auch Hexen auch um Heilung. Viele Menschen, die in der Nähe von Wäldern leben, nutzen ihren Wald wie eine große Apotheke. Bei meinen Besuchen hab ich so viel Spannendes über die Heilkräfte der verschiedenen Pflanzen lernen dürfen und ich hab gemerkt, dass die Menschen einfach z.T. andere Möglichkeiten haben, die Menschen aus meinem Kulturkreis weniger in Betracht ziehen würden. Dabei verschenken wir in Deutschland vielleicht sogar Potenzial, denn ich glaube, dass auf den deutschen Wiesen und in den Wäldern noch viele oft von vielen vergessene Heilpflanzen gedeihen.