Ein Kochtag, gute Begegnungen & unser Umgang mit bettelnden Kindern
Mittwoch, 13.10.2021 Freiwilligendienst Leben & AlltagNach einem Großeinkauf am Montag, wurden wir auf dem Rückweg, den wir meistens aus Freunde an der Bewegung zu Fuß zurücklegen, von ungefähr 10 bettelnden Kindern gleichzeitig angesprochen. Wir kaufen immer öfter Kekspackungen, die wir anstelle von Geld verteilen können, da uns gesagt wurde, dass man Kindern kein Geld geben soll. Die Kinder, denen wir begegneten, werden von ihren Müttern, welche in der Nähe bleiben zum Betteln losgeschickt und geben das eingebrachte Geld an diese. Schon unser erster Ansprechpartner Francis in Accra meinte: Wenn man ihnen Geld geben würde, lernen sie dass man so überleben kann und bleiben auf der Straße, weil sie es nicht anders kennen. Natürlich kann ich mit Keksen jetzt nicht das Leben der Kinder verändern, doch das ist auch nicht meine Aufgabe hier. Ich schau einfach, dass ich in dem Moment mit meinen Mitteln, da wo ich bin, etwas tue und wenn der Tag durch Kekse ein bisschen besser wird - warum nicht? Natürlich wünsch ich mir, dass jede Familie genug Geld hat, um ihre Kinder zur Schule zu schicken und allgemein aufzuziehen. In Ghana gibt es zwar kostenfreie öffentliche Schulen, doch trotzdem müssen Schuluniformen und Materialien finanziert werden. Öffentliche Schule können staatlich auch eigentlich nicht wirklich finanziell getragen werden, sodass Lehrkräfte mit 100 bis 142 Euro monatlich auch für ghanaische Verhältnisse wenig verdienen. Das stimmt mich nachdenklich.
Am Dienstag wurde es angenehm kühl, da es ein sehr starkes Gewitter am Morgen gab. Glücklicherweise war genau an diesem Tag Kochtag in der Catering-Klasse und so durfte ich im großen Raum an 16 Kochstellen erleben wie ghanaische Gerichte zubereitet werden. Jede machte ein anderes Dreigängemenü und ich hab hier selten soviel Essen auf einmal gesehen. Der Aufwand für den ganzen Tag ist jedoch nicht zu unterschätzen und so halfen wir insbesondere beim Abwasch am Ende mit. Das Essen fand ich teilweise richtig lecker und manchmal etwas gewöhnungsbedürftig. Leider gibt es für viele Speisen v.a. Namen auf Twi und Fanti und das sagt weder mir noch dir viel. Unbedingt probieren sollte man aber Jollof Reis, Redred, Fufu, Banku und Obstsalat. Ansonsten besteht das Essen häufig aus Fisch und Fleisch, aber auch sehr viel Gemüse, Reis, Kochbananen und Yam. Was ich richtig liebe sind die Gewürze. So wird viel mit Chilli, Ingwer und Knoblauch sowie Curry, Salz und Pfeffer gewürzt und dann gibts immer noch ghanaische Gewürze über die ich noch mehr lernen will. Mit vollen Bäuchen schauten Svenja und ich abends noch einen Film und fielen anschließend müde ins Bett.
Am Mittwoch lernten wir Emanuel kennen, welcher der Chef vom YMCA in Westghana ist. Er war einfach richtig nett und wir unterhielten uns gut. Währenddessen saß Nana mit uns im Büro und meinte, dass er richtig zufrieden mit uns ist, weil wir seiner Meinung nach so selbstständig und taff sind. Das war wirklich lieb und cool von ihm.
Nach einem Smoothie und dem schönen Gespräch machten wir uns auf zum MTN-Shop und versuchten WLAN zu bekommen. Dort lernte ich Kwame und Pedita kennen, die uns halfen und u.a. eine App namens Ayoba empfohlen, mit der ich hier kostenfrei Nachrichten schreiben kann. Ayoba ist neben Whatsapp, Insta usw. beliebt und man kann die Nachrichten und lokal beliebte Musik hören. Am Abend saßen wir dann nach einem Wohnungsputz bei selbstgekochtem ghanaischen Abendessen zusammen und genossen einfach die Zeit.