Woche 2: Gottesdienst, ghanaisches Essen und Corona
Mittwoch, 29.09.2021 Leben & AlltagMein zweiter Sonntag startet mit einer Fahrt durch Accras dichten Verkehr zum Gottesdienst, in den uns unsere Twilehrerin Dr. Judith eingeladen hatte. Zu spät angekommen, fanden wir in einer großen Halle viele Menschen vor und gesellten uns in einer hinteren Reihe dazu. Nach 10 Minuten standen plötzlich alle auf und gingen. Zunächst kurz verwirrt, stellten wir schnell fest, dass der erste Gottesdienst gerade vorbei war und wir überpünktlich zum zweiten angekommen waren. Die große Gemeinde bietet allein sonntags vier Gottesdienste zu unterschiedlichen Uhrzeiten. Kurz darauf wurden wir weiter vorn in der Nähe der großen Boxen platziert und eine Lobpreisband fing an zu spielen. Die Sängerinnen und Sänger auf der Bühne waren im Gegensatz zum ersten Gottesdienst weniger bunt gekleidet, sondern trugen T-shirt, Hemden und Jeans in schlichten Farben. Die Musik war schön und laut, doch nach kurzer Zeit begann die Predigt. Leider war diese für meine Ohren einfach laut und ich konnte nicht mehr konzentriert zuhören. Teilweise klang es wie Beatboxing und Rap. Nach einer Stunde war der Prediger fertig und ich dankbar in Ruhe in meinem Zimmer zum entspannen.
Montag und Dienstag bestand aus Besuchen des Twikurses und des Immigration Service und wir waren glücklich, als wir wussten, dass alle Dokumente zur Beantragung der nötigen Bescheinigungen beisammen und abgegeben waren. Am Mittwoch nahm der Twiunterricht ein Ende und jetzt heißt es, allein weiterzulernen. Zum Dank für die schöne Zeit luden wir Dr. Judith in ihr Lieblingsrestaurant ein, welches ein großes Buffet aus ghanaischen Gerichten bietet, die nicht zu scharf sind. Apropos scharf: Wer nach Ghana kommt und starke Schärfe nicht gewöhnt ist, sollte immer beim Essenbestellen "no spices please" erwähnen.
Während des Abends erzählte Dr. Judith z.B. vom Umgang in Ghana mit Corona. So gab es hier ein ca. zweimonatigen Lockdown, in denen Essen und Trinken kostenlos an Bedürftige ausgegeben wurde. Den Menschen wurde des Weiteren Strom, Gas usw. staatlich finanziert. Auch setzten die Menschen auf ihre Ernährung. So wird dieser ohnehin schon Chili, Ingwer und Knoblauch sowie weiteren gesunde Gewürze und Kräuter beigefügt. Viele Menschen inkl. Dr. Judith nutzten auch den Tee aus den Blättern des Niembaums. Dieser wächst in tropischen und subtropischen Klima und beinhaltet die Stoffe Nimbin und Nimbidin, welche antiviral wirken. Allgemein kann der Baum noch sehr viel mehr, was ich sehr spannend find, aber hier zu weit führt. Wer möchte, kann gern googeln... Dr. Judith meinte jedenfalls, dass keiner ihrer Bekannten, welche den Tee regelmäßig nutzten an Covid-19 erkrankte. Dennoch ist sie skeptisch, die antivirale Wirkung als offizielles Abwehrmittel zu deklarieren. Schließlich gibt's bezüglich Covid-19 keine Studien usw. dazu. Trotzdem ist es spannend das in Ghana, wo viele Menschen enger zusammen leben, nach ihrer Einschätzung Corona gut in den Griff bekommen wurde und es bisher nur 1156 Todesfälle gab. Einige davon waren leider Dr. Judiths Kollegen im Krankenhaus.
Um Corona vorzubeugen, wird an jedem größeren Geschäft/Einrichtung vom Personal Fieber gemessen und man muss sich die Hände waschen oder desinfizieren. Auch gibt's in vielen Innenräumen eine Maskenpflicht, die je nach dem mehr oder weniger streng beachtet wird. (Z.B. Beim Immigration Service streng, in der Kirche nicht so...) Ich bin dankbar, denn dafür soll es keinen weiteren Lockdown in Ghana geben.