Sunny Sunday - erster Gottesdienstbesuch

Sonntag, 19.09.2021 Leben & Alltag

Welcome to Ghana and welcome to church!

Kirche ist ein großes Thema in Ghana, wobei es auch der Islam und der Natur - und Ahnenglaube verbreitet ist. Darüber weiß ich insgesamt aber noch so wenig, dass ich, wenn überhaupt, erst später darauf zurückkomme.

Am Sonntag fuhren wir mit Francis und Paul in die Kirche und kamen erstmal auf einer Baustelle an.
Anscheinend wird noch am Gemeindehaus gebaut oder saniert. Jedenfalls wurden wir an einer Gruppe von neugierig schauender Kindern, die in sowas wie einem Kindergottesdienst waren, vorbei zur Frau des Priesters gelotst, die uns begrüßte. Wir vier hatten versucht das Schickste anzuziehen, was wir dabei hatten und trotzdem fand ich mich ein bisschen schäbig. Aus meiner Sicht hätte sie auch die First Lady eines Präsidenten sein können. Sie hieß uns willkommen und wenig später saßen wir im Gottesdienst neben so vielen toll gekleideten Menschen. Man geht, wenn man kann, mindestens so schick zur Kirche wie die Menschen in Deutschland zu Hochzeiten.
Der eher kleine Raum wurde mit Klimaanlagen auf angenehmen Temperaturen gehalten. Manche trugen Masken, viele nicht. Wie da die Regeln genau sind weiß ich gar nicht, aber eigentlich trägt man an öffentlichen Orten in Ghana immer Masken sei es bei KFC oder in der Bank...
Mit einer professionellen Fernsehkamera, gesteuert von einer Kamerafrau, wurde das Geschehen rund um das Rednerpult aufgezeichnet und problemfrei übertragen. Zwischendurch wurde mit einer riesigen tragbaren Kamera fotografiert. An der Wand gabs ein Fernseher, um thematisierte Bibelverse im richtigen Moment mitlesen zu können. In der Ecke spielte eine Band und zwischen gelegentlichen Gebeten und Predigtteilen in Twi und Englisch wurde aufgedreht, sodass ich es im ganzen Körper spürte. Zeitweise waren bis zum sechs Leute vorn, die parallel mithilfe von Mikros den Raum mit ihrer Stimme füllten. Stellenweise bekam der Gottesdienst für mein Empfinden einen Festivalcharakter. Wir tanzten, klatschten und verstanden nur Bruchteile aber was soll's. Das kommt noch.

Abgesehen von den Äußerlichkeiten gab es auch bewegende inhaltliche Teile. So nahm ich die Menschen als echte Gemeinschaft wahr, in der jeder doch anders ist. Nicht jeder tanzt, ist laut und enthusiastisch, doch ich spürte Ehrlichkeit und Anteilnahme. So teilten einige vor der Gemeinde ihre Geschichte. Zum Beispiel hatte eine junge Frau bereits mit sieben Jahren ihr Mutter verloren und fand in der Gemeinde und in ihrem Glauben halt. Die anderen beteten speziell für sie und manche weinten - wahrscheinlich weil sie berührt waren. Dabei wirkte das alles irgendwie unglaublich echt auf mich.

Danach wurden wir gemeinsam mit anderen Neuen nochmal konkret in die Kirche eingeladen und hätten sogar unsere Kontaktdaten hinterlassen können, doch wir hatten da noch keine Handynummer in Ghana und bleiben auch nicht in Accra. Nach dem Gottesdienst lernten wir noch Francis ungefähr dreijährige Tochter Christabel samt seiner Frau Dorcas kennen. Besonders Christabel machte sehr große Augen als sie uns "Obruni" (= Weiße) sah. Ich hoffe, ich kann sie nochmal besser kennenlernen.

Wir fuhren zum Mittagessen bestehend aus "Jolof Reis", kauften Obst für den Abend an einem Straßenstand (bzw. Francis handelte für uns) und ich schlief den restlichen Tag. Ich bin so dankbar dafür, mit Francis jemand vor Ort zu haben, der sich auskennt und ein sympathischer Mensch ist. Ich danke für seine umfassende Kompetenz und das Interesse an Deutschland aber auch an den vielen anderen Ländern, die er schon bereist hat. Ohne ihn wär es wirklich so viel aufwendiger, da ich mir alles selbst erarbeiten, erfragen und erlesen müsste.

in der Kirche

auf dem Weg zur Kirche

unser Fahrer Paul links, Francis, Dorcas & Christabel mittig & rechts, wir vier so mit dabei

braune Orange (mir noch ein Rätsel wie man die in Deutschland so orange bekommt...)

Milo - der ghanaische Energydrink (schmeckt ein bisschen nach Kakao)

Ich im "Sonntagskleid" vor dem YMCA Guesthouse

Auszug: Gelände des YMCA (Unterkünfte & Häuser sind, sofern man es sich leistet, häufig ummauert o.ä. ...)

Dieser Platz ist auch ein Teil des YMCA Geländes